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Der Ortstermin findet bei uns im Modell statt

Dienstag, 9:30 Uhr. Sie haben den Link gestern bekommen, und jetzt öffnet sich der Raum.

Auf dem geteilten Bildschirm liegt ein Gebäude, das Sie nie betreten haben. Ein Bestandsbau mit Gewölbedecken im Erdgeschoss und gusseisernen Stützen im Treppenhaus, aufgenommen als dreidimensionales Aufmaß. Vier Fachleute sind zugeschaltet. Sie sind als Zuschauer dabei, und Sie sehen alles mit.

Die Frage ist so alt wie das Bauen im Bestand:

Wohin mit der Lüftungstrasse?

Jede Planung beginnt mit dem Ist-Zustand

Wer an einem älteren Gebäude plant, stellt zuerst die unbequeme Frage, wie es heute tatsächlich aussieht. Pläne sind oft veraltet, unvollständig oder verschwunden. Es gab Umbauten, die niemand nachgetragen hat.

Die digitale Bestandsaufnahme beantwortet diese Frage mit Messwerten. Sie erfasst Räume, Höhen, Querschnitte und Bauteile als Punktwolke. Wenn die Planer später Bauteile mit Eigenschaften brauchen, lässt sich daraus ein BIM-Modell ableiten. Für die heutige Besprechung genügt die Aufnahme, und sie ist exakt genug, um an ihr zu arbeiten.

Vier Gewerke, ein Modell

Der Haustechnikplaner möchte die Trasse durch den Flur im Erdgeschoss führen, den kürzesten und günstigsten Weg.

Die Tragwerksplanerin blendet den Unterzug ein, der den Flur quert. Im Modell sehen Sie die Kollision sofort. Sie misst den verbleibenden Abstand zur Gewölbekappe nach, direkt in der Punktwolke, ohne Leiter und ohne Zollstock.

Der Brandschutzplaner meldet sich. Die Trasse durchstößt eine Wand, die Brandabschnitt und Teil des Rettungswegs ist. Dort braucht er eine Abschottung, und je nach Ausführung bedeutet das eine Verkleidung.

Dann spricht die Vertreterin der Denkmalpflege. Sie hat Bedenken, und zwar genau gegen diese Verkleidung. Das Gewölbe ist der Grund, warum das Haus unter Schutz steht. Eine Verkleidung an der Decke kann sie sich kaum vorstellen.

Früher hätte hier jeder seine Position mitgenommen. Es hätte einen Ortstermin gegeben, vielleicht zwei, und für manchen eine zeitaufwändige Anreise.

Heute sitzen alle vier im selben Raum, nur eben im digitalen.

Der Lösungsvorschlag entsteht am Bauteil

Entscheidend ist, dass die vier nicht über das Gebäude sprechen, sondern an ihm arbeiten. Jeder Einwand lässt sich an einer konkreten Stelle im Modell prüfen.

Der Haustechnikplaner skizziert eine Variante: Die Trasse wandert ein Stück zur Seite, der Kanal wird flacher und breiter. Ob das lüftungstechnisch trägt, kann er selbst beurteilen, und er hält es grundsätzlich für umsetzbar. Die Tragwerksplanerin bestätigt, dass der Unterzug dabei unberührt bleibt.

Der Brandschutzplaner sieht im Modell, dass sich die Abschottung in der Wandebene lösen ließe und nicht an der Decke. Das ist zunächst nur ein Ansatz, den er im Brandschutzkonzept bewerten muss. Er nimmt zwei Varianten mit, die er ausarbeiten will.

Die Denkmalpflege prüft die Sichtachsen und benennt, was sichtbar bleiben muss und wo sie Spielraum sieht. Eine der beiden Varianten möchte sie mit der zuständigen Behörde besprechen.

Am Ende steht keine fertige Antwort, aber ein gemeinsamer Stand. Statt vier Einzelpositionen gibt es zwei Varianten mit klar benannten offenen Punkten und verteilten Aufgaben, und zwar bevor jemand Pläne gezeichnet hat.

Einmal erfassen, mehrfach nutzen

Um 9:43 Uhr schaltet sich noch jemand dazu, sichtbar von einer anderen Veranstaltung aus. Paul Penthouse betreut mit seiner Agentur die spätere Vermarktung des Objekts. Er sieht das Modell und fragt freundlich, ob man daraus nicht gleich Rundgänge für alle drei Gebäude des Eigentümers ziehen könne, möglichst bis Freitag.

Das ist ambitioniert. Aber sein Gedanke hat einen wahren Kern.

Dieselbe Aufnahme, die heute die Trassenführung klärt, dient morgen der Ausführungsplanung. Später nutzt sie das Facility Management bei Wartung und Instandhaltung, und irgendwann auch die Vermarktung.

Der Wert einer Bestandsaufnahme liegt darin, wie oft ihre Daten genutzt werden.

Das gilt besonders für den Werterhalt. Wird ein Gebäude in Abständen wieder erfasst, werden Veränderungen sichtbar: Setzungen, Verschleiß, Umbauten, die niemand eingetragen hat. Aus einer Momentaufnahme wird ein Verlauf.

Die Logik reicht weit über Gebäude hinaus. Sie gilt für Maschinen, Kraftwerke, Windkraft- und Wasserkraftanlagen und Staudämme ebenso wie für Wohn-, Büro- und Logistikimmobilien. Überall dort, wo etwas Physisches über Jahre erhalten und gewartet werden muss, hilft ein gemeinsamer, wiederholbarer Datenstand.

Und wer sitzt eigentlich noch im Call?

Um 9:45 Uhr erscheint im Chat eine Nachricht. Lena aus Pauls Team schreibt, sie habe den Link kurz an eine Kollegin weitergegeben, die "nur mal reinschauen" wollte.

Niemand reagiert darauf, die Runde arbeitet weiter.

Aber die Szene zeigt, was passiert, wenn ein Modell zur gemeinsamen Arbeitsgrundlage wird: Es hat viele Beteiligte, und jeder hat einen Zugang. Das Modell enthält mehr als schöne Bilder. Es zeigt Grundrisse, Brandabschnitte, Rettungswege und technische Anlagen, also genau das, was man gut aufgehoben wissen möchte.

Wer darf auf welchen Teil des Modells zugreifen? Wo liegen die Daten, und wer ist dafür verantwortlich? Und was passiert mit Zugängen, wenn ein Planer das Projekt verlässt?

Das ist kein Argument gegen die Technologie. Es ist die logische Folge ihres Erfolgs. Wenn das Modell zum Arbeitsmittel wird, braucht es Regeln wie jedes andere wertvolle Arbeitsmittel auch, und zwar als laufenden Prozess, der mit dem Projekt wächst. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

Der Dienstag ist längst Alltag

Um 9:50 Uhr ist der Call beendet. Es gibt noch keine freigegebene Lösung, aber alle haben denselben Stand gesehen. Zwei tragfähige Varianten liegen auf dem Tisch. In zwei Wochen trifft man sich wieder, ebenfalls online, und jeder bringt seine ausgearbeiteten Vorschläge mit.

Niemand steht dafür 350 Kilometer im Stau, und das Gebäude steht trotzdem im Mittelpunkt.

Die Immobilie bewegt sich nicht. Aber die Arbeit mit ihr schon.

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Haben Sie schon darüber nachgedacht, den Bestand Ihrer Immobilie als dreidimensionales Modell zu erfassen?

Paul Penthouse und seine Firma sind erfunden, die Situationen nicht.