Am 28. April 2025 fiel in ganz Spanien der Strom aus, und ich war dort. Nach einigen Stunden war auch das Mobilfunknetz still. Mich beschäftigte vor allem eine Frage: Welche Arztpraxis hätte an diesem Nachmittag einfach weiterarbeiten können?
Die gute Nachricht ist, dass es dafür weniger braucht, als viele denken. Dieser Beitrag zeigt, wie Arztpraxen, Apotheken und Rehakliniken auch ohne Internet handlungsfähig bleiben, gerade in strukturschwachen Regionen, wo die nächste Klinik weit ist.
Warum mit dem Strom auch das Internet geht
Funkmasten, Glasfaserknoten und Verteilerkästen haben Notbatterien. Sie überbrücken meist einige Stunden, nicht einen ganzen Tag. Dauert der Ausfall länger, verschwinden nach und nach Telefon, Internet und damit auch der Zugang zur Cloud.
Für eine Praxis heißt das: Patientenakten, Medikationspläne und Befunde liegen heute oft in einer Cloud-Software oder brauchen eine Verbindung nach außen. In Deutschland kommt die Telematikinfrastruktur hinzu, über die E-Rezept und elektronische Krankschreibung laufen. In ländlichen Regionen dauert die Wiederherstellung oft länger, und die nächste Klinik ist weiter entfernt. Gerade dort lohnt sich ein Plan B.
Vier Fragen an Ihre Praxis
Wie gut Ihre Praxis vorbereitet ist, zeigen schon vier einfache Fragen:
- Könnten Sie ohne Internet sehen, welche Medikamente eine Patientin nimmt?
- Lassen sich Befunde und Röntgenbilder auch lokal öffnen?
- Wie lange laufen Rechner, Netzwerk und Drucker, wenn der Strom ausfällt?
- Weiß das Team, was im Ernstfall zu tun ist, und wurde es schon einmal geübt?
Wer hier zögert, ist in guter Gesellschaft. Die meisten Praxen haben sich diese Fragen noch nie gestellt, und genau darin liegt die Chance.
Die Lösung: eine Notfallkopie in der Praxis
Der Kern ist einfach: Eine geschützte, lesbare Kopie der wichtigsten Praxisdaten liegt vor Ort und funktioniert ohne Internet. Im Alltag merkt man davon nichts. Im Ernstfall öffnet das Team sie im Browser und arbeitet weiter.
Das Konzept ruht auf vier Bausteinen, die sich gegenseitig absichern:
- Das Backup des Softwareherstellers stellt nach dem Ausfall alles vollständig wieder her.
- Ein regelmäßiger Export in offene Formate macht die Daten unabhängig von einem einzelnen Anbieter lesbar.
- Ein kleines Notfallsystem in der Praxis hält diese Kopie verschlüsselt bereit, mit Suche, Befunden und Bildern.
- Eine zusätzliche Sicherung außerhalb der Praxis schützt auch bei Brand oder Diebstahl.
Wie Normalbetrieb und Notbetrieb zusammenspielen, zeigt das Prozessdiagramm: blau der Alltag, orange der Notbetrieb.
Strom: passend zur Praxis ausgelegt
Daten nützen nur, wenn die Geräte laufen. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) überbrückt kurze Ausfälle und schützt vor Datenverlust. Für längere Ausfälle kommen ein Notstromaggregat oder eine eigene Einspeisung aus Solar- oder Windenergie mit Speicher hinzu.
Wie groß das Ganze sein muss, ist bei jeder Praxis anders. Es hängt davon ab,
- wie viele Arbeitsplätze im Notbetrieb weiterlaufen sollen,
- wie umfangreich Dokumente und Bildarchiv sind,
- wie lange die Praxis unabhängig bleiben möchte, ob Stunden oder Tage.
Oft reicht es, sich auf das Wesentliche zu beschränken: ein Empfangsplatz, ein Behandlungsplatz, Netzwerk, Drucker und das Notfallsystem.
So läuft der Notbetrieb
Im Ernstfall folgt das Team einem kurzen, vorher geübten Ablauf:
- Ausfall feststellen und Notbetrieb ausrufen.
- Prüfen, ob das lokale Netz und das Notfallsystem laufen.
- Im Browser mit dem vorbereiteten Notfallzugang anmelden.
- Patienten suchen, Medikation, Befunde und Bilder ansehen.
- Neues auf Papier oder im Notfallprotokoll festhalten, Rezepte bei Ausfall der Telematikinfrastruktur auf dem Papiermuster 16.
- Lokal drucken und scannen.
- Nach der Wiederherstellung alles in die Praxissoftware übernehmen.
So bleibt die Versorgung der Patienten gesichert, und nichts geht verloren.
Und die künstliche Intelligenz?
Eine lokale KI kann den Notbetrieb spürbar erleichtern. Sie findet in Sekunden die richtige Akte, liest eingescannte Dokumente und fasst die Behandlungsgeschichte eines Patienten chronologisch zusammen. Richtig eingesetzt kann sie auch neue Symptome mit früheren Befunden in Verbindung bringen, immer mit Verweis auf das Originaldokument.
Notwendig ist sie nicht. Lesen, Suchen und Drucken funktionieren auch ohne KI. Sie ist eine sinnvolle Erweiterung, die sich nach dem Umfang der Praxis richtet. Die Entscheidung bleibt immer bei der Ärztin oder dem Arzt. Sobald eine Software Hinweise für Diagnose oder Therapie gibt, gilt sie in der Regel als Medizinprodukt, und dafür gelten eigene Regeln.
Was es kostet
Die Kosten richten sich nach der Größe des Betriebs. Oft ist schon vieles vorhanden: eine Datensicherung, eine USV, ein Netzwerkdrucker. Dann geht es vor allem darum, diese Bausteine sinnvoll zu ergänzen und den Ablauf zu üben. Eine umfangreiche Lösung mit Bildarchiv, Befundmonitor und KI liegt dagegen in der Anschaffung etwa zwischen 18.000 und 42.000 Euro netto, dazu jährlich rund 1.500 bis 4.000 Euro für Wartung.
Speichermedien und Arbeitsspeicher sind durch die hohe Nachfrage aus KI-Rechenzentren zuletzt deutlich teurer geworden. Wer klein anfängt und bei Bedarf erweitert, bleibt flexibel.
Fördermöglichkeiten
In unterversorgten Regionen fördern die Kassenärztlichen Vereinigungen Praxen teilweise mit Investitionszuschüssen. Auch Landesprogramme und KfW-Kredite, etwa für Solaranlagen und Speicher, sind einen Blick wert.
Die wichtigste Voraussetzung
Entscheidend ist eine Voraussetzung: Der Hersteller der Praxissoftware muss bestätigen, dass sich die Daten regelmäßig und vollständig exportieren lassen, auch Dokumente und Bilder, und dass ein Test ohne Internet erlaubt ist. Diese Frage lässt sich mit einer kurzen Anfrage klären.
Gut vorbereitet, besser versichert
Gute Vorsorge zahlt sich auch bei der Versicherung aus. Viele Cyber- und Praxisausfallversicherungen fragen nach Notfallplan, getrennten Sicherungen und einer geübten Wiederherstellung. Wer das nachweisen kann, ist besser abgesichert.
Größere Einrichtungen sind zu solcher Vorsorge inzwischen gesetzlich verpflichtet. Für kleinere Betriebe ist sie schlicht vernünftig.
Nicht nur für Arztpraxen
Dasselbe Prinzip hilft überall, wo die Versorgung von Menschen nicht pausieren darf: in kleinen und mittleren Arztpraxen, Apotheken, Rehakliniken, Pflegediensten und Therapiepraxen. Überall zählt dasselbe: wichtige Daten lokal lesbar halten, Strom für das Wesentliche sichern und den Ablauf einmal im Jahr üben.
Der Tag in Spanien hat mir gezeigt, wie schnell selbstverständliche Verbindungen fehlen können, und wie gut man sich darauf vorbereiten kann. Vielleicht ist jetzt ein guter Moment für einen kurzen Check: Wie gut ist Ihr Betrieb auf einen Ausfall vorbereitet? Das Ergebnis zeigt, wo Sie schon gut aufgestellt sind, was sich mit wenig Aufwand verbessern lässt, und dient zugleich als Nachweis gegenüber Ihrer Versicherung.
Sie kennen eine Praxis oder Apotheke auf dem Land, für die das interessant sein könnte? Leiten Sie diesen Beitrag gern weiter.
Quellen
- Caída de las telecomunicaciones en el apagón eléctrico de España, Redes&Telecom
- Así afecta un apagón a las comunicaciones, Infobae, 29. April 2025
- Neue Vorgaben für Cybersicherheit: Auch große Praxen können betroffen sein, KBV, 18. Dezember 2025